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Mein Wochenzitat 01/17: Erst mal durchkommen

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Affordanz. Diesem Begriff bin ich in dieser Woche das erste Mal begegnet. In einem Beitrag in der NZZ vom 5. Januar 2017 führt Daniel C. Dennett, Professor für Philosophie an der Tufts University in Boston, aus, weshalb das Potenzial eines bereits 1970 vom Psychologen James J. Gibson erstmals verwendeten Terminus in vielen Bereichen der Kognitionswissenschaften noch lange nicht genügend ausgeschöpft ist. Meiner Meinung nach gilt dies auch für die Marketingkommunikation, steht Kognitionswissenschaften doch für “… eine interdisziplinäre Wissenschaft zur Erforschung bewusster und potentiell bewusster Vorgänge.” (Definition aus Wikipedia)

Auch die Wirkungen der Marketingkommunikation basieren zu einem grossen Teil auf “potentiell bewussten” Vorgängen – dies vor allem in der ersten Phase des Kontaktes mit einem Werbemittel. Hier entscheidet sich innerhalb von Sekundenbruchteilen, ob die angebotene Information überhaupt angenommen wird. In der enormen Fülle der über alle Kanäle auf das Individuum einprasselnden Informationsangebote passiert diese Selektion absolut unbewusst (oder eben potentiell bewusst). Dass die Information angenommen wird ist die Grundvoraussetzung für eine Verarbeitung. Und ohne Verarbeitung keine Wirkung.

Hinter dem Ansatz von James Gibson steht die Idee, dass die Wahrnehmungssysteme jedes Organismus dafür eingerichtet sind, diejenigen Informationen zu registrieren, die fürs Überleben relevant sind, und den Rest zu ignorieren. Dass Relevanz für eine erfolgreiche Werbung zentral ist, gehört heute zum Basiswissen in der Marketingkommunikation. Doch dass dieses Kommunikationsangebot auch die Selektionsbarriere durchdringen und die relevante Botschaft zur Verarbeitung bringen kann, dies wird häufig viel zu stark unterschätzt. Die Erkenntnisse der Affordanz-Forschung bieten hier auch positive Potenziale für eine bessere Wahrnehmung und Verarbeitung. Die Verbesserung der darüber entscheidende Formal-Qualität der Werbemittel ist der richtige Ansatz dazu.

Ich beschliesse meine wöchentlichen Gedanken zu einem Zitat mit denjenigen Zeilen der letzten 7 Tage, welche bei mir am meisten hängen geblieben sind – übrigens auch der Schlusssatz im lesenswerten Artikel:

“Zwar taucht der Begriff der Affordanz mittlerweile in allen Bereichen der Kognitionswissenschaften immer häufiger auf; aber viele, die sich seiner bedienen, scheinen sein Potenzial noch nicht angemessen einzuschätzen.”

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins 2017. Und möglichst viele wirksame, Ihre Ergebnisse befruchtende Kommunikationsmassnahmen.

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